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EtappenlisteSeiten durchsuchen Story 98/1: The Gunbarrel Highway

 

Entfernung: 1568km
Reisedauer: 5 Tage
Strecke:
Meekatharra - Wiluna - Carnegie Stn -
Warburton RH - Yulara (Ayers Rock Tourist Resort)


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Rainer auf dem Gunbarrel Highway, WADer Gunbarrel Highway.
Wer sich für das Outback interessiert, bei dem löst dieser Name alleine schon Begeisterungsstürme aus - denn der Name ist das Programm. Namensgeber ist nämlich die Trommel eines Revolvers; und genauso übersät mit dem berüchtigten Wellblech (engl.: corrugations) ist die Piste des Gunbarrel auch...

abgefahrene MT21Es ist früh am Morgen auf dem kleinen Campingplatz in Meekatharra. Gestern abend habe ich mir die Mühe gemacht, meinen Michelin Desert aufzuziehen - der MT21 hatte gerade mal 4500km gehalten; na ja - gehalten ist ja eigentlich zu viel gesagt, denn von Profil konnte keine Rede mehr sein...
Zudem ist auch ein Ölwechsel fällig. Ich kaufe also Öl an der Tanke und frage, wo ich denn mit dem Altöl hin könne. Der Beisitzer meint total entrüstet: "Not here lad! - Over there a little bit further up that road there - but make sure it's beside the road, it can be dangerous for others otherwise..." alles klar dann, danke - und ich dachte immer, das mit dem mangelnden Umweltbewußtsein wären Märchen gewesen...

Workshop in Meekatharra, WAIch fahr zum Blechschuppen 'ne Ecke weiter, wo der örtliche Landmaschinen-mechaniker zu finden ist. Dummerweise hab' ich nämlich morgens festgestellt, das mein Kofferträger Marke Eigenbau leider nicht gerade für den fetten Desert konzipiert wurde - peinlich, peinlich - denn der steht beim Einfedern mächtig an der hinteren Querstrebe des Trägers an...

korrigierter KofferträgerNach kurzer Verhandlung mit dem Mechaniker versetzt er mir eben diese Strebe und ich mache bei der Gelegenheit gleich den fälligen Ölwechsel. Er sammelt sein Altöl immerhin. (Ich fühle mich da doch ein ganzes Stück besser, obwohl ich weiß, daß das Faß früher oder später auch samt Inhalt auf dem örtlichen Müllplatz landet - Well, that's the Outback - things are different 'round here...

Piste nach Wiluna, WANach all der Bastelei mache ich mich auf die 183 Pisten-km gen Wiluna. Der Weg dorthin ist relativ unspektakulär; allerdings kann man sich schon auf den Sand und das Wellblech, die noch zur genüge folgen werden, einstimmen. Während der Fahrt frischt der Wind ganz schön auf, und fette Wolken ziehen am Horizont auf. Na, wenn das mal gut geht - die Piste nach Wiluna war immerhin zwei Tage zuvor noch wegen Überschwemmung geschlossen gewesen, und, wie ich später erfahren sollte, am Tag nachdem ich sie gefahren war, auch wieder...

Piste nach Wiluna, WAAls ich in Wiluna ankomme, herrscht dort reger Baustellenverkehr, denn das Örtchen bekommt endlich geteerte Straßen - ja ja - selbst in der angeblich schlimmsten Stadt WAs hält also die Zivilisation Einzug - zum Glück bin ich noch nicht zu spät...
Ich suche zunächst mal die örtliche BP Tanke auf.
Zu meinem Erstaunen sind die Zapfsäulen tatsächlich mit einem fetten Vorhängeschloß gesichert (Waren die Gerüchte bezüglich der Probleme mit den örtlichen Aborigines also tatsächlich war?). Ich erkundige mich nach dem Zustand des Gunbarrel und bekomme positive Antworten. Weiter geht's zur Polizeistation, bei der man laut Reiseführer sicherheitshalber Bescheid geben soll, wenn man den Gunbarrel befahren will. Die nehmen auch routinemäßig meine Daten freundlich auf.

Campingplatz von Wiluna, WADanach geht's erstmal auf den örtlichen Campingplatz, auf dem sich neben all den Bauarbeitern auch eine Reisegruppe mit Geländewagen einfindet. Sie entpuppen sich als wahrlich schräges Gespann.
Die Gruppe besteht eigentlich aus einer amerikanischen Familie und ihrem einheimischen Führer. Sie kamen gerade von Alice den Gunbarrel runter und wollen am Tag drauf die Canning Stock Route wagen. Canning - das heißt 1500km ohne Sprit und auch so ziemlich ohne Wasser durch die Dünen - und das ganze mit zwei 4WDs mit jeweils einem Anhänger, der randvoll mit Spritfässern beladen wird - Na bitte, wenn sie meinen...
Das Problem der Gruppe ist jedoch zunächst, daß die örtliche Tanke dummerweise ihre Rechnung nicht rechtzeitig bezahlt hat, und daher gerade nicht genügend Diesel zu bekommen ist...

Sonnenuntergang in Wiluna, WAAuf dem Weg haben sie Hans, einen älteren Österreicher aufgelesen (anscheinend ein Ex-Hotelier, der von seinem Vermögen lebt). Er hat sich in Alice kurzerhand 'nen Geländewagen gekauft, und war ohne Ersatzrad, ohne Wagenheber, geschweige denn Werkzeug, mal eben alleine auf den Gunbarrel - na die passen ja dann bombig zusammen :-)

Während ich mir noch ausmale, wie die vollgepackten 4WDs samt randvoll beladenen Anhängern wohl über all die Dünen kommen wollen, erzählen sie mir, daß sie leider schon auf dem Gunbarrel ein wenig Probleme mit den Hängern hatten. Die Bilanz der 7 (!) Tage von Alice bis Wiluna: 7 Plattfüße und 5 gebrochenen Blattfedern (an 3 Autos und zwei Anhängern) - nur gut, daß der australische Führer ein echter Buschmechaniker ist, der problemlos mal eben 'ne Blattfeder mit Hilfe zweier Autobatterien schweißen kann...

Offizieller Anfang des Gunbarrel Highways in Wiluna, WASpäter begleite ich den lustigen Haufen in die urige Kneipe an der Ecke, wo wir uns ein feudales Abendessen genehmigen. Davor mach ich aber noch ein wenig Service am Moped und quatsche 'n paar Takte mit dem Caretaker des Campgrounds. Dabei stellt sich heraus, daß es in den letzten 10 Jahren nicht so viel geregnet hat, wie in den letzten 3 Monaten - El Nino läßt grüßen...

Beginn des Gunbarrel Highway, nahe Wiluna, WAAm nächsten Morgen komme ich nicht ganz so früh los wie geplant, und an der Tanke treffe ich die 4WD-Freaks wieder - sie waren gerade mal 50km gekommen, da war ihnen schon wieder 'ne Schweißstelle an 'nem Hänger gebrochen...
Neben mir kommt das Patroullienfahrzeug der Polizei zum Stehen, und der Fahrer erkundigt sich nach meine Mühle: Was denn in den Tank ginge? - 43l !?! - Wo ich denn so was her hätte... (wohlgemerkt, in Deutschland wäre man wahrscheinlich an diesem Punkt schon das Fahrzeug los...). Er entpuppt sich ebenfalls als XR Fahrer und meint, ich solle auf der Strecke aufpassen, weil er da das letzte mal beinahe an 'nem Stück Zaundraht gescheitert wäre, daß sich um sein Ritzel gewickelt hatte und beinahe zu einem derben Abwurf geführt hätte.
Irgendwie sind mir die Copper hier sympathisch - Ich weiß ja nicht, woran das wohl liegen mag ;-)

Ich melde mich also an der Polizeistation offiziell ab und folge dem großen Schild Richtung Gunbarrel Highway.
1421km bis zum Uluru (Ayers Rock) - oder besser gesagt: 1421km bis zum nächsten Teerstück - wenn da keine Vorfreude aufkommt!

Harry Johnston Water, WADas erste Stück des Gunbarrel wird regelmäßig von der Carnegie Stn. gewartet - dementsprechend monoton brettert man dahin (zumindest mit einem Gefährt wie meinem, das Bodenfreiheit und Federweg ohne Ende hat). Nahe dem Salzsees Lake Carnegie wird es ein wenig kniffliger, da hier viele kleine, trockene Wasserläufe gekreuzt werden müssen. Ein richtiger kleiner Bach findet sich dann nahe einem kleinen Rastplatz mit Grillmöglichkeit am Harry Johnston Water. Wer es ruhig angehen will, der hat hier einen schönen schattigen Rastplatz, gut 80km vor der Carnegie Stn.

Furt am Harry Johnston Water, WAIch lege denn auch ein kurze Rast samt Fotopause ein, und nehme dann die kleine Furt in Richtung Carnegie Stn, wo ich 'ne knappe Stunde später gegen Mittag ankomme (Oops, das Teil war doch tiefer als gedacht - aber das bißchen Wasser ist recht angenehm bei den mittaglichen Temperaturen...).

Der grüne Rasen der Carnegie Stn.Carnegie hat wohl den berühmtesten Rasen Australiens. Denn die Bewohner pflegen ihr kostbares Grün liebevoll. Und das trotz (oder vielleicht auch gerade wegen?) der Tatsache, daß man hier in einem der trockensten Gebiete des Kontinents lebt. Aber ich muß schon sagen, nach all dem grellen Rot der Wüste und dem tiefdunklen Blau des strahlenden Himmels ist das tiefe, saftige Grün ein wahre Erholung fürs Auge.

Hier treffe ich eine 10köpfige Reisegruppe der Swagman Tours, die auf einer 24-Tage Rundreise sind (Alice, Gunbarrel, Canning, Tanami, Alice). Sie bunkern hier an der Carnegie Stn Proviant und fahren gar nicht erst den Umweg über Wiluna. Vor ihnen liegen 12 Tage ohne Zivilisation - hört sich saugut an, wenn man mich fragt :-)

Gate der Carnegie Stn, WAIch werde zum Tee eingeladen (bei den Aussies steht 'Tee' übrigens oft nicht für das Getränk, sondern vielmehr für das Abendessen). Ich unterhalte mich mit den Touris und den Fahrern bei typisch australischem Billie-Tee und Keksen.

Dann plaudere ich noch bei eine paar Bier mit der Hausherrin, die meint, ich solle sie auf jeden Fall anrufen, sobald ich in Warburton ankomme, damit sie im Zweifelsfall jemanden losschicken kann, falls ich nicht durchkommen sollte. Nett, wenn sich die Leute so um einen sorgen :-)

Nebengebäude der Carnegie STn.Abends werde ich von Pat (Patric Manum, der, wie sich später herausstellt, der Boss der australienweit operierenden Swagman Tours ist) zum Abendessen eingeladen. Er macht mit dieser Tour seine Working-Holidays und genießt die Ruhe des Outbacks.
Wir unterhalten uns bis spät in die Nacht und er gibt mir tausend Tipps für meine weitere Tour. Dabei reden wir auch über die Verrückten mit den Hängern aus Wiluna. Er schüttelt nur den Kopf und meint: 'Die Canning übersteht kein Hänger - hoffentlich sind wir vor denen...' Zum Abschied meint er dann noch: 'When you're ever in trouble and there's one of our vehicles around just tell them I told you they'd help you!' - so sind sie halt, die echten Aussies aus dem Outback: Hilfsbereitschaft wird hier eben noch groß geschrieben!

Gunbarrel Highway nache Carnegie Stn.Morgens um 5 endet die Nacht, weil die Reisegruppe anfängt, ihr Lager abzubrechen - Ich beschließe dann gegen 6, daß es auch für mich ein langer Tag werden sollte. Ich sattle auf und bekomme noch was vom Frühstück der Gruppe ab (Toast mit Spaghetti aus der Dose als Aufstrich - Well, things are differnt in A'stralia...)

sandige Wellblechpiste auf dem Gunbarrel, WAGegen 8 breche ich dann auf in Richtung Warburton RH. Ab hier ist der 'Highway' nur noch ein besserer Track, der aber noch ein zweimal pro Jahr von der Carnegie Stn. bis zur Kreuzung mit dem Eagle Hwy. rudimentär gewartet wird. Entsprechend anspruchsvoller wir der Track (oder sollte ich sagen: so langsam kommt so richtig Spaß auf?). Ach ja, eines wollte ich ja unbedingt noch sagen: Wenn ihr den Gunbarrel entlangbrettert und da plötzlich bei km74 nach Carnegie ein Straßenschild auftaucht, das auf eine Bodenwelle hinweist, dann nehmt es ernst! - meine Damen und Herren! Daran hätte ein Allradler gut sein Fahrwerk lassen können - zum Glück hatte meine XR aber ordentlich Federweg...

Gegenverkehr auf dem Gunbarrel, WADie Piste führt hinter der Carnegie erstmal ein wenig entlang der berühmten tiefroten Dünen des Outbacks. Von einem doch nicht ganz unerheblichen Verkehrsaufkommen zeugt das derbe Wellblech, das immer wieder dazu anspornt, nicht zu trödeln.
Gegen 10 habe ich dann tatsächlich Gegenverkehr: Ein KAO (australischer spezial Allrad-Bus) eines weiteren Reiseunternehmens brettert an mir vorbei - offensichtlich einer der neuen Tourunternehmen mit so engem Zeitplan, daß man nichtmal anhält, um Hallo zu sagen... Na ja - selbst im Outback macht sich eben die Moderne bemerkbar...

Gegenverkehr auf dem Gunbarrel, WAGegen Mittag treffe ich dann an der Kreuzung zum Eagle Highway ein älteres Pärchen aus Melbourne. Sie sind mit ihrem 2WD Pickup auf Tour und umfahren den harten Teil des Gunbarrel. Wir quatschen 'ne gute halbe Stunde bevor ich mich wieder aufmache, mein kleines Abenteuer fortzusetzen.

Überflutete Claypan, Gunbarrel, WAKurz darauf macht sich der Regen der letzten Tage bemerkbar. Plötzlich ist vor mir nur noch Wasser. Die Mangkili Claypan ist in dem Zustand, in dem sie zwar faszinierend, aber dummerweise auch schlichtweg unpassierbar ist. Ich folge also den vielen Spuren der Fahrzeuge, die versuchen, die Claypan zu umfahren, ohne im Sand oder im Schlamm der vielen kleinen Wasserläufe hängenzubleiben. Nach einer halben Stunde mehr oder weniger planloser Suche finde ich am anderen Ende der Claypan den Gunbarrel wieder.
Glück gehabt - da war ich dann doch froh, mein GPS dabei gehabt zu haben - wäre zwar nicht zwingend nötig gewesen, es beruhigt aber manchmal doch ungemein :-)

Typische Auswaschung  auf dem harten Teil des GunbarrelsMit dem Beginn des Gibson Desert Nature Reserve wird der Gunbarrel dann wirklich hart: Übelste Wellblechpiste wechselt sich mit Geröll, Auswaschungen (Washouts) mit bis zu 30cm Spurtiefe und sandigen Passagen ab. Da bin ich froh, daß ich für mein Gefährt nur eine Spur suchen muß! Kein Wunder, daß die 4WDs hierfür ewig brauchen ;-P

Gunbarrel Hwy, WAAllmählich wird der Highway wieder besser, oder sagen wir mal lieber: die Auswaschungen und das Geröll verschwinden - dafür wird jedoch das Wellblech immer derber. Es zweigen zwar immer wieder Nebentracks ab, jedoch ist dort das Wellblech nur marginal besser - da hilft nur eins: am Gas bleiben und durchhalten. Ich probiere immer wieder, welche Variante denn nun die mit weniger Wellblech sein könnte. Es stellt sich jedoch heraus, daß das bei meiner Reisegeschwindigkeit von mindestens 80 (um die Vibrationen wenigsten einigermaßen erträglich zu machen) kein ungefährliches Unterfangen ist. Problem sind die Abzweige von und zum eigentlich Track, die sind nämlich meist recht eng - zumindest bei 80...

(Ein paar Monate später wagen übrigens zwei verrückte Aussies, den Kontinent mal eben von Osten nach Westen auf zwei nagelneuen Yamaha WR400 zu durchqueren - gut, das ist nichts Besonderes, aber wenn man bedenkt, dass sich die beiden für die knapp 5000km gerade mal 72 Stunden Zeit genommen haben... - wie auch immer: die beiden meinten auf jeden Fall, daß der Gunbarrel bei 120 doch ganz schön haarig wäre...)

Und dann kommt mir plötzlich ein Termitenhügel entgegen - oops - er springt einfach so vor mir auf die Piste! Es tut einen riesen Schlag und ich lege eine Vollbremsung hin.

Mopedbremse auf dem Gunbarrel, WADer Schreck sitzt mir in den Knochen, und ich denke schon: 'Sch... - das war's jetzt sicher mit der Vorderfelge - und das mitten auf dem Gunbarrel!
Ich begutachte die Misere und stelle mit freudiger Überraschung fest, daß kein Schaden zu finden ist - das sind eben die Vorteile von 280mm Federweg!
Ich marschiere zurück zum Übeltäter, den ich bei fast 80 erwischt habe, und bin überwältigt: beide Reifenspuren führen direkt auf den kleinen, steinharten Termitenhügel mit gut 20cm Höhe hin, und gut 1,5m danach wieder auf den Boden - nur Fliegen ist schöner!

Mt Meadell, WAAlso geht's weiter, zunächst mit etwas weniger Dampf, doch bei dem Wellblech bleibt das nicht lange so. Ich brettere also weiter dahin und versuche dennoch, die atemberaubende Landschaft zu genießen.

Vom Mt Beadell aus gönne ich mir die Aussicht. Auf ihm wurde zum Gedenken an Len Beadell, den Erbauer des Gunbarrels (und so mancher anderen Piste hier im Westen) eine Attrappe seines Vermessungsgerätes aufgestellt. Auf dem Weg dorthin macht sich bei all dem Geröll das hohe Gewicht meiner Mühle bemerkbar, und ich kippe an einer wahrlich ungünstigen Stelle beinahe im Stehen um - aber was soll's: es werden nicht die letzten Schrammen und Dellen auf dieser Tour sein...
Am Fuße des 'Berges' liegt übrigens eines der schönsten Camps der Strecke: Camp Beadell - bester Rastplatz für all diejenigen, die eine Nachtruhe auf dem Gunbarrel einlegen wollen.

Len Beadells Tree, WAEs ist mittlerweile gerade mal drei Uhr Nachmittags, als ich an Len Beadells Tree ankomme. Der alte Baum ist durch eine kleine Metalltafel gekennzeichnet und markiert den Abzweig zum Heather Highway. Ich entschließe mich, auf eine einsame Nacht in der Wüste zu verzichten und statt dessen zum Warburton RH weiterzufahren.

Heather Highway, WAIch lasse also den alten Gunbarrel hinter mir und heize den Heather Hwy entlang. Dieser ist anfangs recht sandig, und ich denke mir: lieber Sand als Wellblech, zum Glück geht immer nur eines von beiden...
Da werde ich auch schon eines besseren belehrt, und wer's nicht glaubt, kann's hier par excellence erfahren: Wellblech, das dem Gunbarrel in nichts nachsteht, und darüber 10-15cm feinster Flugsand - welch ein Abschiedsgeschenk für den ermatteten Pistenheizer...

t/o Gunbarrel Hwy - Heather Hwy, WANach knapp 40km mündet der Heather Hwy auf die Straße von der Warburton Rd. zur AbCom Tjirrkarli. Das Wellblech verschwindet, aber der Sand bleibt. Dennoch wird's deutlich angenehmer, und ich entspanne mich, da es nur noch knapp 90km bis zur nächsten kühlen Dusche sind. Eine halbe Stunde später treffe ich auf die breite Piste der Warburton Rd. Auch hier macht sich das hohe Verkehrsaufkommen deutlich durch starkes Wellblech bemerkbar - um das Ganze nicht zu monoton werden zu lassen, wechselt es sich aber glücklicherweise mit recht sandigen Passagen ab.

t/o Heather Hwy, Warburton Rioad, WANach 8½ Stunden habe ich es dann endlich geschafft! Mann, das hätte ich mir denn doch nicht träumen lassen: 484km härtester Track in so kurzer Zeit (und dabei habe ich doch mit Fotostops nicht gespart...).
Ich komme also ermattet am Warburton RH an - Das Betreiber-Pärchen ist nett, doch ich will eigentlich nicht mehr allzuviel quatschen, schlage mein Zelt auf und genieße die dann doch lieber heiße Dusche (denn in der Wüste wird es eben leider nachts recht schattig). Danach rufe ich noch schnell bei der Carnegie Stn an, um der Hausherrin Bescheid zu geben, daß ich heil am anderen Ende des Gunbarrel angekommen bin. Sie ist recht erstaunt, schon am Abend wieder von mir zu hören, und ich kann mir schon lebhaft vorstellen, was sie wohl ihren kommenden Besuchern so alles über 'Crazy German Motorbikers' zu berichten haben wird...

Während ich mein Abendessen koche, kommt noch ein zweiter Gast auf dem kleinen Campingplatz an: Man soll es nicht glauben - eine junge Amerikanerin mit ihrem Mountainbike! Na spitze! Bei all dem Wellblech und dem gerade für ein Fahrrad doch recht tiefen Sand - vom Ayers Rock bis nach Laverton sind's immerhin 1137km Piste...

Sie verschwindet nach einem kurzen Hallo unter die Dusche und ich denke mir bei einem Blick auf Ihr Gesicht, daß es wohl ziemlich staubig da draußen sein muß.... Doch als sie wieder aus der Dusche kommt, hat sie immer noch den tief dunklen Streifen zwischen Mund und Augen - die australische Sonne ist halt doch nicht zu unterschätzen.
Wir quatschen noch ein wenig, genehmigen uns eine ordentliche Portion Teigwaren und fallen pudelwohl in unsere Zelte zur verdienten Nachtruhe.


 

Giles Meteorological Station, WAAm nächsten Morgen tanke ich erstmal - an die abgeschlossenen Zapfsäulen hab ich mich ja mittlerweile gewöhnt...
Dabei treffe ich einen Japaner mit einer 230er Enduro - nach typisch japanischem System bepackt (will damit sagen: keine Koffer, sondern alles ans Moped geschnürt...). Er bestaunt meine Mühle und ist sichtbar verblüfft, daß man solche Pisten eben auch mit 120 nehmen kann - abschließend bedankt er sich für die Erfahrung - 'well - you're welcome mate!'

Dann geht's weiter zum 230km entfernten Giles und zur dortigen Meteorological Station. Dort soll es ein kleines Freilichtmuseum geben und die dortigen Meteorologen sollen angeblich für jede Abwechslung dankbar sein. Zudem ist mein Tagesziel das Warrakuna RH, das nur 30km hinter Giles liegt - also massig Zeit für etwas Sightseeing.

Rainer beim Starten des täglcihen Wetterbalons, Giles, WAAuf der Fahrt nach Giles steht mir plötzlich eine kleine Herde Kamele im Weg - auch nicht gerade die Tiere, die man hier erwarten würde. Leider verschwinden sie, bevor ich meinen Fotoapparat zücken kann.
In Giles angekommen treffe ich den Meteorologen Paul, der sichtlich erfreut ist, etwas Gesellschaft beim Tee zu haben. Er ist begeisterter Modellbauer, und zeichnet nebenher fleißig an den Bauplänen für das Modell eines Renault Flugzeugmotors im Maßstab 1:4. Wir quatschen noch ewig, er zeigt mir so ziemlich jedes Meßgerät der Station, und um 14.15 starten wir den zweiten Wetterballon des Tages...
(Achtung: in Giles herscht NT-Time, also WA-Time + 1,5h!).

Anschließend führe ich mir noch das kleine Freilichtmuseum zu Gemüte, denn hier ist u.a. der Grader des Erbauers des Gunbarrel Highways, quasi dem letzten klassischen Pionier Australiens, Len Beadell ausgestellt. Welch erhebender Anblick, den funktionsfähigen Haufen (rostenden) Stahls aus den 30ern sehen zu dürfen ;-)
Daneben findet sich noch eine Raketen-Endstufe, die von den Engländern überblieb, die die Gegend nach dem 2. Weltkrieg für Raketen- und Atomwaffenversuche nutzten...

Einnachten am Warrakuna RH, NTNach diesem ausgiebigen Zwischenstop geht's die paar km weiter bis zum Warrakuna RH. Aus dem reichhaltigen Sortiment frische ich erstmal meine Vorräte auf, und genehmige mir eines der berühmten australischen Rindersteaks. Jenes brate ich abends auf dem Grill in der Campers Kitchen. Dabei gesellen sich einige Arbeiter zu mir, die mit ihrem Toyota Landcruiser 6-Wheeler in der Gegend Häuser für Aborigines bauen.

Wasserstelel nahe der Piste, NTSie erzählen mir die tollsten Stories, von Überschwemmungen, Skorpionen und dämlichen Emus. Bei einem solchen Unterhaltungsprogramm schmeckt das Essen doch gleich viel besser...

Der Chef der Gruppe, ein ehemaliger Tauchlehrer aus Exmouth, gibt mir am nächsten Morgen noch den Tipp, auf dem Weg unbedingt bei einem kleinen Wasserloch abseits der Piste vorbeizuschauen - die Aborigines würden es zwar nicht so gerne sehen, aber da wäre normalerweise eh nie wer...

Ich mache mich also wieder auf die Piste und werde ordentlich vom nicht enden wollenden Wellblech durchgerüttelt.

Ranges am wegesrand, NT Gegen Mittag überkommt mich ein wenig Wehmut, als ich die Staatsgrenze ins Northern Territory überschreite und damit mein geliebtes WA verlasse.
Ich mache noch einen kleinen Abstecher zu Lasseter's Cave. (Sie war Schauplatz eines tragischen Schicksals: Lasseter behauptete, eine riesige Goldader bei einer seiner Expeditionen gefunden zu haben. Leider konnte er sie nicht wiederfinden, und bei einem seiner zahlreichen Versuche verlor er seine Mulis und seine Wasservorräte, bis er dann in eben dieser Höhle starb.)

Ersten klaren Blick auf die Olgas, NTEinige Stunden später kündigt sich dann endlich am Horizont eines der wohl bekanntesten Wahrzeichen Australiens an:
der Uluru (Ayers Rock).
Zunächst zeigen sich jedoch seine weniger bekannten Schwestern: die Olgas. Wenig später hat mich die Zivilisation mit ihren Teerstraßen wieder und ich genieße die Nachmittagssonne am Uluru und den Olgas.

Olgas in der Dämmerung, NTIm Yulara Tourist Resort angekommen - das übrigens skurrilerweise die drittgrößte Stadt der Northern Territory ist - melde ich bei der Polizei meine erfolgreiche Gunbarrel- Überquerung. Nach Einkauf und Zeltaufbau geht's - rechtzeitig zur Dämmerung - zurück zu den Olgas, wo mich gigantisches Licht und geniale Farben erwarten - ein echtes Erlebnis mit Bildern, die sich tief in die Seele brennen und nach mehr verlangen.

Sonnenuntergang am Ayers Rock, NTIn Yulara werde ich noch zwei Tage damit verbringen, den Ayers Rock und die Olgas ausgiebigst zu bewandern - etwas, zu dem ich auf jedem Fall jedem Besucher raten würde (abgesehen natürlich von der Besteigung des Uluru, einem der wichtigsten Heiligtümern der Aborigines). Danach werde ich mich nach Alice aufmachen, von wo aus ich zu einer meiner abenteuerlichsten Etappen aufbrechen werde: der Fahrt (mit Hindernissen) über den Old Andado Track nach Oodnadatta - aber das ist eine andere Geschichte...


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  • Kurzbeschreibung: Gunbarrel Highway

  • Tag 20: Meekatharra – Wiluna (183 km)
  • Tag 21: Wiluna – Carnegie Stn. (339 km)
  • Tag 22: Carnegie Stn. – Warburton RH (484 km)
  • Tag 23: Warburton RH – Warrakuna RH (234 km)
  • Tag 24: Warrakuna RH – Yulara (Ayers Rock) (394 km)
  • Tag 25: Yulara (153 km)
  • Tag 26: Yulara (49 km)

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Wiluna - Warburton RH:

  • Harry Johnston Water (S25:54.603 E122:21.450)
  • t/o nach Glendale (S25:47.064 E122:41.085)
  • Carnegie St (S25:47.773 E122:58.456)
  • Mt William Lambert (S25:23.993 E124:05.178)
  • Claypan (SS25:24.190 E124:15.579)
  • Alter LKW (S25:23.776 E124:09.943)
  • Crossing Eagle Hwy (S25:23.724 E124:14.417)
  • Turnoff Hunt Oil Road (S25:10.429 E124:39.920)
  • Everald junction (S25:10.442 E124:58.819)
  • Mt. Gordon (S25:10.496 E125:03.590)
  • Mt. Beadell (S25:32.157 E125:16.504)
  • Camp Beadell (S25:32.994 E125.19.913)
  • Notabills Hill (S25:38.576 E125:33.220)
  • Bore (S25:40.619 E125:35.157)
  • Len Badells Tree / Bore (S25:43.357 E125:46.904)
  • t/o Gunbarrel Heather Hwy (S25:45.169 E125:52.982)
  • t/o von Heather Highway auf neue Strasse nach Tjirrkarli (S26:04.134 E125:48.924)
  • Kreuzung zum Great Central Highway (S26:15.788 E126:14.449)
  • Warburton Roadhouse (S26:07.914 E126:34.104)

Wabourton RH - Uluru:

  • t/o zum original Gunbarrel Hwy (S25:58.193 E126:48.152)
  • Giles Metrological Station (S25:02.055 E128:18.186)
  • Warrakuna Roadhouse(S25:02.644 E128:18.150)
  • Grenze WA / NT (S24:51.249 E129:00.393)
  • Lasseter's Cave (S25:01.166 E129:23.803)
  • t/o Teerstraße nahe den Olgas zur Warburton-Laverton Road (S25:18.225 E130:42.099)

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updated: 7.10.2000
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